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Museum Founder

Thorvald Greif

Die Geschichte Des Fingerhutes

erzaehlt von Thorvald Greif, Gruender des Fingerhutmuseums


Rotierend Fingerhut


Prähistorisches Werkzeug

Prähistorisches Werkzeug

Die Geschichte des Fingerhutes begann in der Jungsteinzeit. Dies belegen Knochenringe, die bei Ausgrabungen in der Nähe von Moskau gefunden wurden. Vor 30.000 Jahren haben Mammutjäger Perlen aus Mammutelfenbein geschliffen, welche sie durchbohrten und als Perlstickerei auf das Leder aufnähten. Um das Leder durchdrücken zu können, benutzten sie die Röhrenknochen als Druckhilfsmittel.

Der Fingerhut war vor 2.500 Jahren unter den Etruskern in Italien gebräuchlich. Als man Germanien kolonisierte, brachten sie den Fingerhut in unser Gebiet mit. Die Fingerhüte waren aus Bronze und wurden noch in Ton gegossen. Es war problematisch mit ihnen zu nähen, weil sich durch den hohen Kupfergehalt sowohl die Finger wie auch der Stoff verfärbten.

Der Durchbruch für die Fingerhutherstellung war im 15. Jhd., als Kupfergießer in Köln, die bis dahin die Fingerhüte gemacht hatten, ein Metall fanden, welches das Kupfer gelb färbte: Die sogenannten Gelbgießer warfen zinkhaltige Erde in das flüssige Kupfer und fanden so das Messing. Doch durch die daraus entstehende Luftverschmutzung mußten die “Gelbgießer” im 15. Jhd. die Stadt Köln verlassen.

In Nürnberg stellte man die Fingerhüte auf die selbe Art und Weise her wie in Köln. Eine Zeitlang lebte der große Arzt Paracelsus bei einem Fingerhüter als Untermieter. Paracelsus fragte sich, warum sich das Kupfer gelb färbt: Bei seinen Forschungen entdeckte er dann in dieser Erde das Matall Zink. Jetzt war es nur noch ein kleiner Schritt, reines Messing herzustellen. Die Fingerhüte wurden von da an nicht mehr als ganze Form gegossen sondern man machte Blechstreifen, stanzte Scheiben aus und zog mit Hilfe von Stempeln den Fingerhut konisch. Anschließend wurden die Vertiefungen in den Fingerhut, die bis dahin ja nur gebohrt worden sind, eingeschlagen. Alle Welt wollte von da an nur noch Nürnberger Fingerhüte haben. Sie waren billiger, sie waren besser, und sie waren viel bequemer zum Arbeiten. Das führte dazu, daß der Rat der Stadt Nürnberg den Fingerhütern - ein Beruf mit Lehrlings-, Gesellen- und Meisterordnung - verbot, die Stadt zu verlassen, um das Geheimnis des Messings nicht zu verraten.

200 Jahre lang funktionierte dies, bis Kaiserin Maria Theresia von Österreich sich darüber ärgerte, daß sie die Fingerhüte in dem Land kaufen mußte, gegen das sie dauernd Kriege führte. Also schickte sie ihre Spione nach Nürnberg, die nun alles abschrieben und aufzeichneten. Kaiserin Maria Theresia meinte, sie könnte mit diesen Informationen die Fingerhüte in Eigenproduktion herstellen lassen. Doch die Herstellung mißlang. So verfiel sie auf die Idee, die Meister in Strohwagen aus der Stadt Nürnberg herausschmuggeln zu lassen. Jeder von diesen Meistern erhielt ein eigenes Haus mit Vorgarten. In der Wiener Neustadt wurde eine Manufaktur aufgebaut, die von da an das Monopol von Nürnberg gebrochen hatte. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde in Europa Messing hergestellt.

Der maschinelle Durchbruch bei der Herstellung von Fingerhüten gelang, als der Sohn eines Schneidermeisters in Schorndorf bei Stuttgart seinem Vater zum Geburtstag einen silbernen Fingerhut schenkte. Weil er selbst Silberschmied gelernt hatte, stellte er fest, daß das schwierigste bei der Fingerhutherstellung die Vertiefungen an der Seite sind. Dies veranlaßte ihn, sechs Jahre lang an einer Vorrichtung zu tüfteln, die es ihm ermoeglichen sollte, den Fingerhut an der Seite einwalzen (rollen) zu können. Als ihm dies schließlich gelang, tat er sich mit seinem Bruder zusammen, und so entstand die größte Fingerhut-Fabrikation der Welt: die Firma Gebrüder Gabler in Schorndorf. Die Produktion bestand aus über 4.000 verschiedenen Silberfingerhüten in 18 verschiedenen Größen. Sieben bis acht Millionen Silberfingerhüte waren ständig auf Lager. Jeden Monat wurde ein Eisenbahnwaggon voll von Fingerhüten nach Rußland geliefert.

Diese Fabrikation existierte 140 Jahre lang und hatte dann keinen Nachfolger mehr. So kaufte sie mein Vater. Er steckte sein ganzes Geld und seine ganze Zeit in die Produktion, und zwei Wochen nach Herausgabe eines Kataloges wurde alles durch einen Brand vernichtet. Damit hörte die Geschichte des Fingerhutes eigentlich auf, wenn nicht mein Vater in Archiven Nachforschungen über die Geschichte des Fingerhutes betrieben hätte, um das Ergebnis dann als Buch drucken lassen zu können.

Das Buch brachte uns auf die Idee ein Museum einzurichten, in dem es verkauft werden kann. Das Buch ist mittlerweile vergriffen, und ich lege es auch nicht mehr auf. Das Museum jedoch existiert noch. Somit ist dies auch gleichzeitig die Geschichte des Museums. 1982 wurde das Museum eröffnet und wir hoffen, im Jahre 2003 den halbmillionsten Besucher begrüßen zu koennen.

Es gibt in Deutschland einen Fingerhutverein bei dem man Mitglied werden kann. Der Verein ist international und hat seinen Sitz in Creglingen mit etwa knapp 400 Mitgliedern. Mit Vorträgen Diaschaus und Buchbörse hält er jedes Jahr am ersten Mai-Wochenende seine Versammlung ab. Zu diesem Anlaß wird jedes Jahr ein neuer Jahresfingerhut herausgegeben, der nur speziell für die Mitglieder gestaltet wird.

Wenn heute die jungen Mädchen ins Museum hereinkommen, frage ich immer an welchen Finger steckt man denn den Fingerhut, und dann wissen es nur noch die allerwenigsten.

Fingerhüte aus der Römerzeit

Fingerhüte aus der Römerzeit

Antike Fingerhüte

Antike Fingerhüte

Verschiedene Größen Circa. 1880

Verschiedene Größen
Circa. 1880

Graf Zeppelin

Graf Zeppelin
1838-1917



preisgekrontes Nähkästchen
von Tochter Greif




Fingerhüte  

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